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Fachbereich: Gesellschaftswissenschaften


"Gesellschaftswissenschaften? Was ist denn das?"

Das ist die übliche Frage, die diejenigen stellen, die das erste Mal an unsere Schule kommen. Denn ein Schulfach namens Gesellschaftswissenschaften gibt es nicht an vielen Schulen in Berlin. Unter Gesellschaftswissenschaften versteht man jene Fächer, die Prozesse und Phänomene des menschlichen Zusammenlebens thematisieren. Das heißt, es geht um den Menschen selbst, aber auch um (staatliche) Institutionen, deren Handlungsmöglichkeiten und Wechselwirkungen. Und um überhaupt alles, was mit dem Menschen, seiner gesellschaftlichen Entwicklung und seinem heutigen Leben zu tun hat.

Daher sind in dem vierstündigen Fach die Fächer:

  • Ethik
  • Geschichte
  • Politische Bildung
  • Geografie

vereint.

Natürlich soll in dem Fächerverbund fachliches Wissen vermittelt werden. Wichtig ist uns aber auch, dass der s.g. GEWI-Unterricht auch ein Denkraum ist, der den Schülerinnen und Schülern das Angebot bietet, die Vernetzungen in unserer Gesellschaft, unserer Geschichte, dem Leben auf der Erde, der Politik und der individuellen Lebensführung zu erkennen, indem sie sich mit Vergangenem, Gegenwärtigem und Zukünftigem auseinandersetzen und scheinbare Selbstverständlichkeiten ihres Alltags hinterfragen.

Damit diese Vernetzungen leichter in den Unterricht, aber auch in den Köpfen der Schülerinnen und Schüler verankert werden können, werden die Fächer im Verbund unterrichtet. Sodass zum Thema Europäische Union zum Beispiel der geografische Aspekt der europäischen Topografie, der geschichtliche Aspekt der europäischen Integration, der ethische Aspekt der europäischen (Werte)Gemeinschaft und der politische Aspekt der europäischen Willensbildung gemeinsam und vernetzt unterrichtet werden können.

Einen hohen Stellenwert nimmt im Fach die s.g. Demokratiebildung ein, um unsere Schülerinnen und Schüler zu einem toleranten und respektvollen Miteinander zu befähigen und um sie zu motivieren selbstbestimmt, selbstbewusst, aber auch verantwortungsbewusst ins Leben zu treten.

Daher führen wir zum Beispiel jährlich unseren traditionellen Tag der Demokratie durch, an dem unsere Schülerinnen und Schüler in verschiedenen Projektarbeiten die Entwicklung der Demokratie authentisch an außerschulischen Lernorten erkunden oder sich selbst im demokratischen Handeln üben. Wenn in einem Schuljahr eine Wahl stattfindet, an der Berliner Wahlberechtigte teilnehmen können, ersetzen wir diese Projekte durch die Teilnahme an einer simulativen Wahl zu der betreffenden Institution. Am 15. September 2017 wählten unsere Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klassen zum Beispiel repräsentativ mit 220.000 anderen Jugendlichen aus Deutschland, wie Erwachsene, Parteien für den deutschen Bundestag und gelangen so zu einem tieferen Demokratieverständnis, dass sie dazu motivierte, selbst politisch aktiver zu werden. Im Mai 2019 werden wir im Zuge der Juniorwahl an der simulativen Wahl zum Europäischen Parlament teilnehmen.

Durch die regelmäßige Teilnahme unserer Schülerinnen und Schüler fördern wir zudem die Verzahnung mit der Außenwelt und motivieren sie ihr gewonnenes Wissen unter Beweis zu stellen und sich über Lernerfolge zu freuen. Dafür nehmen unsere Schülerinnen und Schüler zum Beispiel am Heureka Schülerwettbewerb Weltkunde teil. Außerdem beteiligen wir uns in diesem Schuljahr zum zweiten Mal am Briefwahlmarathon von Amnesty International. In diesem setzen sich die Schülerinnen und Schüler für Menschen ein, die unter Menschenrechtsverletzungen leiden müssen.

Und zu guter Letzt ist uns auch im gesellschaftswissenschaftlichen Bereich eine angemessene Kommunikation in Wort und Schrift wichtig, sodass wir mit einem gemeinsamen Kanon an Fachbegriffen arbeiten und auch die Bewertung sprachlicher Normen in die schriftliche Notengebung einfließen lassen.

In diesem Schuljahr gibt es zudem eine Neuerung im gesellschaftswissenschaftlichen Fächerverbund. So wurde politische Bildung als Unterrichtsfach in seiner Bedeutung durch die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie gestärkt und wird ab diesem Schuljahr mit einer Einzelnote auf dem Zeugnis ausgewiesen. Das bedeutet, auf dem Zeugnis unserer Schülerinnen und Schüler wird zukünftig jeweils eine Einzelnote für Geschichte und Geografie, für Ethik und für politische Bildung zu finden sein.